Klaus Staeck – Unterwegs in  Sachen Kunst und Politik
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Foto: Plakatmotiv Dürer-Mutter aus dem Jahr 1972
Plakat-Aktion 1971
»Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?«
(Dürers Mutter)


Foto: Plakatmotiv Dürer-Mutter aus dem Jahr 1972
Basel, Demo, 1998
»Der Aktionär ist das größte Säugetier«

Biografie Klaus Staeck

28. Februar 1938
geboren in Pulsnitz/Kreis Kamenz bei Dresden geboren

1939-56
aufgewachsen in der Industriestadt Bitterfeld (Bezirk Halle/ Saale)

1956
unmittelbar nach dem Abitur Übersiedlung nach Heidelberg

1957
da in der Bundesrepublik die DDR-Reifezeugnisse nicht anerkannt wurden, Wiederholung am Bunsen-Gymnasium in Heidelberg, anschließend Bauhilfsarbeiter

1957-62
Jura-Studium in Heidelberg, Hamburg und Berlin

1960
erste Postkarten, erste Ausstellung im Heidelberger Haus Bühl, veranstaltet vom AStA der Universität, seit 1960 Plakate und Flugblätter für den AStA und andere studentische Gruppen

seit 1. April Mitglied der SPD

1962
Referendarexamen; anschließend Referendardienst in Weinheim, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim

1963
nach der Organisation eines Studentenaustausches zwischen den Universitäten Heidelberg und Leipzig erste Besuche vom Verfassungsschutz, weil die damalige Bundesregierung zwar verbal für Ostkontakte eintrat, jede praktische Betätigung auf diesem Gebiet aber verfolgte

1964
erste Holzschnitte (bis 1967)

1965
Gründung des Produzentenverlags Edition Tangente
(jetzt: Edition Staeck)

1967
Kandidatur für den Heidelberger Stadtrat auf der Liste der SPD, Mitglied des Kreisvorstandes der Heidelberger SPD und der Jungsozialisten

1967 bis 1969
Kunsttutor der Studentenhochhäuser am Klausenpfad

1968
erste gemeinsame Arbeit mit Joseph Beuys

1969
Assessorexamen in Stuttgart, Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim

Kulturfestival »intermedia '69« mit Jochen Götze in Heidelberg

1970
1. Zille-Preis für sozialkritische Grafik in Berlin

Mitbegründer der IKI (Internationale Kunst- und Informationsmesse) Düsseldorf/Köln (heute: Art Cologne)

Beginn der Zusammenarbeit mit Gerhard Steidl

1971
Aufruf gegen die Exklusivität des Kölner Kunstmarkts (mit Joseph Beuys und Erwin Heerich), erste Plakataktion zum Dürer-Jahr in Nürnberg (»Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?«)

Gastdozentur an der Gesamthochschule Kassel

Teilnahme an der »experimenta 4« in Frankfurt

1972
kreiert das »Deutsche Kunstsiegel«

produziert im Bundestagswahlkampf etwa 1 Million Plakate, Postkarten und Aufkleber, das Plakat »Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen« erscheint allein in einer Auflage von 70.000 Exemplaren, er wird von der CDU in die ersten Prozesse verwickelt (inzwischen ist 40-mal vergeblich versucht worden, ein Plakat verbieten zu lassen)

1973
Vorsitzender des mit Joseph Beuys gegründeten Vereins »Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung«

Lehrauftrag an der Universität Gießen – Fachbereich Kunsterziehung

1974
im November kommt es anlässlich einer Ausstellung im Londoner Institute of Contemporary Art (ICA) unter Beteiligung des Goethe-Instituts im Rahmen des Deutschen Monats zu einem Eklat, als ein CSU-Abgeordneter gegenüber Bundesaußenminister Genscher Anstoß nimmt, worauf Genscher die Ausstellung der Staeck-Plakate nachträglich offiziell mißbilligt, breite Solidarität mit Staeck, als sich Heinrich Böll für ihn einsetzt

1976
am 30. März kommt es zum »Bonner Bildersturm«, als aufgebrachte »Abgeordnete der CDU/CSU unter Führung des späteren Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger anlässlich einer Ausstellung von Staeck-Plakaten in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn einige Plakate von den Wänden reißen. Der Vorgang wird in über 1.500 Presseberichten kommentiert, über 100 Ausstellungen schließen sich an, dabei kommt es aber auch zu über 50 Ausstellungsverhinderungen

Förderpreis der »Intergrafik« »Berlin (DDR)

1977
Bronzemedaille der Iba (Internationale Buchkunstausstellung Leipzig)

100 Tage auf der Kasseler documenta 6, Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller in der IG Druck + Papier

1978 bis 1980
erste umfassende Retrospektive »Rückblick in Sachen Kunst und Politik« in den Kunstvereinen Frankfurt und Heidelberg, Kongresshalle Berlin, Künstlerhaus Wien, Haus der Jugend Graz, Rathaus Aarhus, Kunstverein Hannover

1979
Kritikerpreis in Berlin und Goldmedaille der 4. Biennale für Fotomontage in Grudziadz/Polen

Gründung der Bürgerinitiative »Aktion für mehr Demokratie«

1980
gegen heftigen CSU-Protest wieder Ausstellungen in den Goethe-Instituten Marseille, Paris, Tel Aviv, Brüssel, New York, Chicago, San Francisco, Montreal, Toronto, Buenos Aires, Amsterdam u. a.

1981
Beginn der Aktion »Wir schreiben nicht für Springer-Zeitungen« mit Peter Rühmkorf, Günter Grass, Heinrich Böll und Walter Jens

1. Preis der Internationalen Poster-Biennale in Lahti/Finnland

1981/1982
Gastprofessur an der GHS Universität Essen

1982
Teilnahme an der documenta 7, Mitglied im P.E.N.-Zentrum

1983
Mitglied im Beirat der Humanistischen Union

Großveranstaltung »Verteidigt die Republik« in der Essener Gruga-Halle mit Heinrich Böll, Dieter Hildebrandt u.v.a.

1984
begleitet zusammen mit Joseph Beuys den Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, vor seinem Strafantritt an die Schweizer Grenze

1986
Preis der »3. Triennale Européenne de l'Affiche politique« in Mons / Belgien, Ehrenmedaille der 11. Internationalen Grafik-Biennale in Krakow/ Polen

seit 1986
Gastprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf

1987
Teilnahme an der documenta 8

1988
Ausstellung in Moskau

1989/1990
Retrospektive in Bonn (NRW-Landeshaus), München (Stadtmuseum), Saarbrücken (Städtische Galerie), Bitterfeld (Kreismuseum)

1990
Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin

1991
Ausstellung in Madrid (Museum für zeitgenössische Kunst)

1992
Organisation der 3. Bitterfelder Konferenz zusammen mit Eugen Blume und Christoph Tannert

während der documenta 9 Ausstellung im Container auf dem Kasseler Friedrichsplatz

1994
Projekt FLAGGE ZEIGEN

1996
Gustav-Heinemann-Bürgerpreis

1998
Initiative »Raus aus dem Stau«; »euroVISIONEN« zusammen mit Jack Lang in Berlin

1999
Kulturgroschen des Deutschen Kulturrates

2003
"Nicht in unserem Namen"
Internet-Aktion gegen den Irak-Krieg

seit 2004
Mitglied des Kultursenats des Landes Sachsen-Anhalt

2006
Wahl zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin (1. Amtszeit)

2007
Großes Bundesverdienstkreuz

2008
Kunstpreis "Aus gegebenem Anlass"

2009
Wiederwahl zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin (2. Amtszeit)

2010
"Walk of Fame der Satire", Mainz
Hambacher Preis

2011
Max-Pechstein-Ehrenpreis der Stadt Zwickau

2012
Wiederwahl zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin (3. Amtszeit)

2015
August-Bebel-Preis

Ende der Präsidentschaft der Akademie der Künste in Berlin nach drei Amtszeiten (2006-2015)


Insgesamt 41mal wurde erfolglos versucht, Plakate und Postkarten von Klaus Staeck juristisch verbieten zu lassen.

Klaus Staeck
Ohne Auftrag – Unterwegs in Sachen Kunst und Politik
Foto: Klaus Staeck vor seinen Postkarten und Plakaten
290 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, in Leinen gebunden, mit Schutzumschlag, Steidl Verlag Göttingen, 2000
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Vor dreißig Jahren entwarf Klaus Staeck sein erstes Plakat – Zeit für den Künstler, Bilanz zu ziehen, sich des Erreichten zu vergewissern, Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Staeck beschreibt erstmals ausführlich seinen künstlerischen Werdegang und seine politische Sozialisation. Zahlreiche Fotos von Staeck, die einzelne Lebenssituationen, den Arbeitsprozess und verschiedenste Aktionen dokumentieren, wichtige Plakate im Großformat und vielfältige weitere Bildmaterialien erlauben zusammen mit dem Text einen umfassenden Blick auf das »Gesamtkunstwerk« Klaus Staecks.
 


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